Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25.03.02

Matratzenfeld zum Anbändeln
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Es ist einfach ein schöner Raum, das Bockenheimer Depot. Groß und doch dreischiffig gegliedert, technisch funktional, und doch heimelig genug durch die hölzerne Deckenkonstruktion. Das Ballett Frankfurt und die Hochschule für Gestaltung Offenbach haben Erfahrung mit diesem Raum. Für den 16. Schmalclub, unter dem Motto "Friday I'm in Love", haben die Veranstalter den vorderen Teil der Halle mit einfachen, aber effektiven Mitteln ähnlich einer Liegewiese eines Parks in eine in verschiedene Zonen aufgeteilte "Abhäng"-Landschaft verwandelt.

Im Zentrum, vor der großen Projektionsleinwand, auf der man unter anderem einer schreibenden und zeichnenden Hand zusehen konnte, war ein grünes, weiches Matratzenfeld, das einen Blick auf die Leinwand und den Hauptraum davor bot. Der Hauptraum war Bühne und Tanzfläche zugleich, bedeckt von einem elektronischen Wolkenhimmel. Wer es sich auf dem Lager einmal bequem gemacht hatte, kam nur schwer wieder hoch: so weich, dämmerig und warm zugleich war es unter all den jungen, hübschen Menschen. Die eigentliche Wolke aber, die einen trug, war der Soundtrack, die von Domingo Cortés mit großer Sensibilität zusammengestellte Musik. Romantische Stücke, auch ältere, wenig Elektronisches, und immer präsent, aber auch beiläufig genug, alles zum Thema. Bei Joni Mitchell etwa hieß das: "Help me, I think I'm falling in love again."

Wie gesagt, "abhängen" war angesagt bei diesem Schmalclub, also keine Reisen zu fernen Gestaden, keine Schnitzeljagd durch Frankfurter Stadtteile, keine Super-Volkshochschule. Und dennoch war die Offenbacher Handschrift unverkennbar. Denn im Grunde war die ganze Veranstaltung - ein bißchen Reflexion muß sein - wie das Eintauchen in eine künstlerische Arbeit. Erst vor kurzem war im Museum für Moderne Kunst "Expedit" der Offenbacher Künstlerin Sandra Mann, die mit diesem Schmalclub nichts zu tun hat, zu sehen. Was sich dort auf den ersten Blick wie ein abstrakt-geometrisches Gemälde ausnahm, erwies sich auf den zweiten Blick als eine in die Wand eingelassene Schallplattensammlung, wobei jeder Albumtitel, auf einem Verzeichnis daneben aufgelistet, mit ebendem Thema zu tun hatte. Schon David Bowie hatte bekannt: "Love is the drug I'm thinking of." Und so verwundert es nicht, daß einem von den unermüdlichen Gastgeberinnen neben den Süßbapp- Spaghetti ("zum Anbändeln") immer auch die ausgedruckten Liedtexte gereicht wurden.

Der Rest ist schnell erzählt, zumal bei einem Schmalclub das kaum zu verallgemeinernde eigene Erleben über alles geht. Das Publikum hat sich diese Gelegenheit jedenfalls nicht entgehen lassen. "Entspannte Atmosphäre", sagte einer - und damit alles. Zwischendrin hatte die Musikerin Skirt noch einen Auftritt, später war "Partytime" auf dem Dancefloor. HUBERT BECK