Frankfurter Neue Presse vom 01.10.01

Ausgesetzt in der Fremde
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Die Freitagnacht verbrachten knapp 200 Gäste des TAT-"Schmalclubs" eher unverhofft in einer von vier Großstädten.

Die Leute die sich am Freitagabend am Bockenheimer Depot versammelt hatten, freuten sich eigentlich auf so feine Sportaktivitäten wie Crocket, Golf und Fechten. Hofften fest auf das Gewinnen von Medallien oder Pokalen im Radrennen um das Depot. So ignorierten die meisten der Sporthungrigen auch freundlich die liebevoll improvisierten Reiseproviantstände, an denen es günstig Tütengetränke, Kekse und Schokalade oder gar Postkarten aus aller Welt zu kaufen gab. Nahm doch kaum einer der Gäste die "Programmänderung" der Kunstaktivisten vom "Schmalclub" wirklich ernst. Und so ließen sich viele für die nächtlichen Ausflugsfahrten nach Basel, Stuttgart, Freiburg und Köln auf die Passagierliste einschreiben. Schließlich sollten die Organisatoren und HfG-Studenten aus Offenbach, Bernd Euler, Patrick Koch und Tina Kohlmann, auch schon einmal mit dem "Schmalclub" zum Nordpol reisen – ein netter Scherz wie sich anschließend herausstellte. So dachten wohl noch viele später im fahrenden Reisebus, dass man zu einem ausgesucht schönen Ort zu exklusiven Wettkämpfen unterwegs sei. Erst mit zunehmender Kilometerzahl machte sich, wie etwa im Bus nach Köln, ein mulmiges Gefühl angesichts des zu erwartenden Schlafentzug breit. War man von früher doch gewohnt, nach den mit Witz, Kultur und Kunst angereicherten "Schmalclub"-Events beseelt vor 12 in den eigenen Federn zu liegen. Schließlich wuchs die Gruppe mit Singen und kleinen Reisespielchen zusammen. Eine Stimmung wie beim Schulausflug. Als die Reiseleitung sie dann kurz vor Mitternacht für vier Stunden in die fremde Stadt entließ, strömten sie in kleineren Gesellschaften durch die Clubs und Bistros, besuchten Live-Konzerte oder machten Spaziergänge zum Dom und tranken nebenbei ihr erstes Kölsch. Nicht wenige der Hessen waren erstaunt über die Mentalität der Rheinländer... Und als die Reisenden am frühen Morgen wieder schlaftrunken in Frankfurt ankamen, waren nur noch wenige über die dreiste, aber genau geplante "Programmänderung" erbost und freuten sich auf die nächste Aktion ihres "Schmalclubs" in drei Monaten. THOMAS UNGEHEUER