Ein Club mit Namen Tired and Tensed, der um 22 Uhr beginnt und um 10 Uhr morgens endet, was hat das zu bedeuten? Genau das, was geschrieben steht. Die Besucher, die sich meist fremd waren, wurden je mit einer kleinen Jutetasche, die ein kleines Kopfkissen, ein Zahnputzbecher, ein paar frische Socken und ein Betthupferl enthielt in die begonnene Nacht entlassen und konnten zum Beispiel sich gegenseitig kennenlernen, indem sie das riesige Angebot an Polstern, Matrazen und Kissen nutzten und im Nu das gesamte linke Seitenschiff des Depots in eine Höhlenlandschaft verwandelten.

Wer noch nicht schlafen konnte griff zur kleinen Lesebibliothek oder erst einmal in einen der vielen randvoll gefüllten Kühlschränke in der Küchenzone, die die ganze Nacht hindurch offen und Ort geselliger Treffen am Waffeleisen war. Natürlich wurden nicht selten aus den Büchern vorgelesen, wenn man sich nicht zusammen Brettspiele ausprobierte oder Hörspiele anhörte. Wem das Vorlesen für andere zu anstrengend war, konnte einfach auf der Vorlesedecke platznehmen und zuhören, wenn ganze Romane vorgetragen wurden. Falls man noch sehr unruhig war, konnte man auch für kurze Zeit aus dem TAT verschwinden und sich auf den Weg zu einer Mitternachtsführung durch das alte naturhistorische Senkenberg-Museum machen, um einmal sieben Meter hohe Dinosaurierer-Skelette im Mondlicht zu betrachten.

Wer dann versuchte einzuschlafen, aber doch etwas mehr Wärme benötigte, konnte sich einer der in flauschigen, mit poetischen Versen bestickten, Wärmflaschen in Stoffhüllen bedienen, die man ganz bequem um seinen Körper binden konnte. So ausgestattet hatte man beim Einschlafen sehr angenehm die Möglichkeit den Schattenspielen an den aufgespannten Wänden zu folgen, die einen bis in die Früh begleiteten. Nachdem dann alle Besucher ihren Schlaf gefunden hatten, wurde ein jeder am Morgen von der Stimme einer Soulsängerin geweckt, die damit ganz sanft signalisierte, daß nun für alle das Frühstück mit frischen Rosinenbrötchen in der Küche bereitsteht und mit diesem letzten großen gemeinsamen Zusammenkommen wurden dann alle in den schon angebrochenen Morgen entlassen.

Silke Bauer, Michael Bennett, Jan Brand, Betty Rothe und Valerie Sietzy haben den 10. Schmalclub 'Tired+Tensed' geplant und organisiert, er fand am 31. März 2001 im Frankfurter TAT/Bockenheimer Depot sowie im Naturmuseum Senckenberg statt.